Es gibt kein Recht auf Ausbeutung

Die Diskussion über Mindestlöhne hat m.E. eine entscheidende Schwäche: die allermeisten fühlen sich nicht betroffen, allenfalls negativ, wenn sie die vermeintlich hohen Kosten mit tragen sollen.

Dabei ist das Grundproblem ein Anderes. Der Einfluss des sogenannten Neo-Liberalismus (über diesen Begriff ist noch zu reden) hat dazu geführt, dass die meisten Menschen glauben, es gäbe ein fundamentales Recht auf Ausbeutung. Die allermeisten Menschen denken sogar, dieses vermeintliche Recht stünde noch über den Menschenrechten.

Das ist natürlich falsch, es gibt kein Grundrecht auf Ausbeutung, ganz im Gegenteil: „Eigentum verpflichtet“ heißt es im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland. Und es ist hohe Zeit, dieser Verpflichtung endlich wieder Nachdruck zu verleihen.

Eine wachsende Zahl Arbeitnehmer, besonders auch von Akademikern, klagt über immer weiter zunehmenden Druck am Arbeitsplatz. Immer weniger Kollegen sollen immer mehr Überstunden machen, oder immer mehr Aufgaben effektiver in immer weniger Zeit erledigen. Gleichzeitig sind immer mehr Kollegen arbeitslos, immer mehr junge Kollegen nach dem Studium zu immer längeren Praktika gedrängt.

Leider jedoch gibt es gerade unter Akademikern immer weniger Einsicht darin, dass die Ursache für diese zunehmende Ausbeutung der Arbeitnehmer (und auch von Akademikern) eben genau die allgemeine Ausbeutungssprirale ist.

Jeder dieser Arbeitnehmer nimmt als Privatperson, zum Beispiel als Besitzer von Aktien, für sich das Recht auf Ausbeutung der Arbeitnehmer die in den Aktiengesellschaften beschäftigt sind wie natürlich in Anspruch. Ebenso wird jeder als Mitglied einer Krankenversicherung jederzeit die immer stärkere Ausbeutung des Pflegepersonals in Krankenhäusern billigen, ja sogar als notwendige Effizienzsteigerung einklagen. Sogar Gewerkschaftsmitglieder werden selbstverständlich möglichst geringe Mitgliedsbeiträge verlangen, zur Not auch durch (Selbst-)Ausbeutung der gewerkschaftseigenen Firmen und deren Arbeitnehmer. Gleiches gilt auch für alle Kirchensteuerzahler in Bezug auf die sozialen Betriebe der Kirchen – soziale Rücksichten werden abgelehnt, auch von Kirchenangestellten wird Selbstausbeutung verlangt.

Dabei übersehen die meisten, dass sie genau durch ihre eigenen Ansprüche, daraus folgend aus ihrem eigenen Wahlverhalten, eben diejenigen Fehlentwicklungen verstärken, die ihnen selbst das Leben Tag für Tag schwer machen. Oder auch das Risiko eines Arbeitsplatzverlustes umso bedrohlicher erscheinen lassen.

Der Mensch wird immer noch von Menschen ausgebeutet. Nicht umgekehrt.

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